Satellitennavigation (PRS)

Die Entscheidung für die Entwicklung, die Implementierung und den Betrieb des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo fiel ab 1999 sukzessive durch verschiedene Richtlinien, Verordnungen und Beschlüsse der Europäischen Kommission, des Rates der EU und des europäischen Parlamentes.

Seit Oktober 2012 sind die vollständige IOV (In Orbit Validation) Konstellation der Galileo Satelliten sowie ca. 50% des Bodensegmentes verfügbar. Der Vollausbau des Systems zur FOC (Full Operational Capability) soll bis 2018 erfolgen. Die erforderlichen Kosten für den vollständigen Ausbau des Weltraum- und Bodensegmentes inkl. der notwendigen Betriebskosten wurden in den EU-Finanzierungsrahmen für 2014-2020 eingestellt.

Einer der wichtigsten Dienste von Galileo ist der „Public Regulated Service (PRS)“. Der PRS ist ein robuster und verschlüsselter Dienst der behördlich autorisierten Nutzern auch in Krisenzeiten zur Verfügung stehen wird. Im Gegensatz zum militärischen PPS (Precise Positioning Service) von GPS darf der PRS nicht nur von militärischen Nutzern, sondern auch beispielsweise von BOS und den Betreibern kritischer Infrastrukturen genutzt werden.

Die IABG ist seit ca. zehn Jahren im Bereich Satellitennavigation mit Schwerpunkt PRS tätig. Wir unterstützen Sie bei:

  • Beratung für Behörden und Industrie zu verschiedenen PRS-spezifischen Themenkomplexen
  • Beratung potentieller nationaler Nutzer hinsichtlich der zukünftigen
    Einführung von PRS in Deutschland und Ausgestaltung der erforderlichen Schnittstellen
  • Konzeption der Einführung / Migration in bestehende Systeme, Plattformen und Anwendungen
  • Analyse von PRS-relevanten Nutzeranforderungen bzw. wirtschaftliche
    Analysen zu verschiedenen PRS-relevanten Fragestellungen
  • Begleitung technologischer Entwicklungen in den Bereichen Empfängertechnologie, Sicherheitsmodule und weiterer PRS-relevanter Technologien und Infrastrukturen
  • Konzeption von PRS Test- und Simulationseinrichtungen
  • Betrieb eines Testgeländes für militärische / sicherheitsrelevante Erprobungen (Zulassung: GEHEIM)
  • Analyse verschiedener Galileo PRS Dokumente hinsichtlich ihrer Relevanz bzgl. spezifischer Fragestellungen und Vorhaben
  • Unterstützung bei der Umsetzung der Galileo-spezifischen Sicherheitsanforderungen
  • Ausarbeitung der erforderlichen Sicherheitskonzepte (IT-Sicherheit, materielle Sicherheit, personelle Sicherheit) für verschiedene PRS-Projekte
  • Unterstützung bei der Evaluierung und Zulassung von Galileo und PRS-Komponenten gemäß den erforderlichen nationalen und internationalen Sicherheitsanforderungen (z.B. Common Criteria)
  • Interferenzanalysen, Koordination mit der Bundesnetzagentur und Beantragung von Frequenzzuteilungen
  • Beteiligung an nationalen und internationalen PRS-Workshops und PRS-Initiativen

Weitere Informationen finden Sie hier:

 

Galileo Public Regulated Service

Der PRS bietet gegenüber dem „zivilen“ Standard Positioning Service (SPS) von GPS und den „zivilen“ Galileo-Diensten im Wesentlichen folgende Vorteile:

  • Die Signale können unter schwierigen Empfangsbedingungen besser empfangen werden
  • Die Signale sind besser gegen elektromagnetische Interferenzen geschützt, die von anderen Funknutzern (z.B. Fernsehsender, Radar, DMEs, etc.) verursacht werden
  • Die Signale sind besser gegen absichtliches Stören (Jamming) geschützt
  • Die Signale sind verschlüsselt und damit gegen die Vortäuschung falscher Signale (Spoofing) geschützt
  • Die Signale ermöglichen es daher, in einem Einsatzgebiet GPS und „zivile“ Galileo Signale so zu stören, dass nur noch die PRS Signale verfügbar sind. Damit verfügen nur noch die autorisierten Nutzer über die alleinige Positionierungs-/ Navigationsfähigkeit im Einsatzgebiet.

Mit der zunehmenden Verbreitung von GPS stieg in den letzten Jahren auch das Angebot an Bauplänen für GPS-Störer bzw. der Vertrieb von einsatzfertigen Störsendern, die entweder nur die Satellitensignale stören (Jamming) oder auch bewusste Fehlinformationen erzeugen (Spoofing) können.

Die Signalstruktur und weitere Merkmale des PRS schützen den PRS wesentlich besser gegen Jamming und Spoofing als die „zivilen“ Signale von Galileo und GPS.

 

PRS Access Policy

Die Nutzung des Galileo PRS ist auf staatlich autorisierte Anwender beschränkt. Im Gegensatz zum „militärischen“ Precise Positioning Service (PPS) von GPS steht der PRS damit nicht nur militärischen Nutzern zur Verfügung, sondern kann auch u.a. von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wie der Polizei oder Betreibern kritischer Infrastrukturen genutzt werden.

Typische Anwendungen des PRS sind u.a.:

  • Ordnungs- und Sicherheitsaufgaben, z.B. der Polizei
    • Sonderlagen (Großveranstaltungen, Demonstrationen, Staatsbesuche, Terroranschläge, Entführungen, Geiselnahmen etc.)
    • Tracking-Anwendungen (Personen, Fahrzeuge, Güter)
    • Unfallvermessung
    • Allgemeine polizeiliche Aufgaben mit Positionsinformationen (nahezu alle derzeit und zukünftig beschafften TETRA-Endgeräte verfügen über integrierte GPS-Empfänger).
  • Militärische Aufgabenbereiche
    • Führungsfähigkeit (Lagebilder, Blue Force Tracking etc.)
    • Nachrichtengewinnung & Aufklärung
    • Wirksamkeit im Einsatz (Zusammenwirken boden-, see-, luft-, und raumgestützter Kräfte)
    • Mobilität
    • Überlebensfähigkeit & Schutz
  • Betreiber kritischer Infrastrukturen
    • Verkehr (Transport gefährlicher Güter)
    • Synchronisation (Telekommunikationsnetze, Digitaler BOS-Funk, Stromnetze)
    • Zeitstempel (z.B. Finanztransaktionen)
    • „Monitoring“ (Staudämme, Bauwerke, Hangrutschungen).