Mobilfunknetze gehören inzwischen zur unentbehrlichen
Basisinfrastruktur eines Landes. Schon längst haben sich die meisten daran gewöhnt,
immer und überall mobil telefonieren zu können. Doch die Aufstellung neuer Mobilfunksendeanlagen
stößt immer häufiger auf heftigen Widerstand bei der Bevölkerung vor
Ort. Um die Akzeptanz für den weiteren Netzausbau zu verbessern, haben die Mobilfunkbetreiber
die Initiative ergriffen und sich in einer freiwilligen Vereinbarung gegenüber der
Bayerischen Staatsregierung bereit erklärt, neue Sendeanlagen im Konsens mit den Städten
und Gemeinden zu errichten. Darüber hinaus wollen sie die Zahl der erforderlichen Standorte
auf Basis der derzeit gültigen Grenzwerte durch gemeinsame Nutzung – soweit kartellrechtlich
erlaubt - minimieren.
Nachdem der Bund hinsichtlich des Ausbaus der Mobilfunknetze bislang keine eigene Regelung
getroffen hat, geht jetzt auch der Freistaat Bayern mit eigenen Mitteln in die Offensive.
So hat das Bayerische Umweltministerium (BayStMLU) einen Fördertopf eingerichtet, mit
dem Kommunen bei der Standortsuche für die ungeliebten Sendeanlagen unterstützt
werden sollen. Insgesamt werden 4 Millionen DM an Haushaltsmitteln zur Verfügung gestellt.
Das neue FEE-Programm gewährt eine 50prozentige Förderung und soll bis Ende 2002
laufen. Die Fördersumme von 5.000 € kann einmalig von allen vom Mobilfunkausbau
betroffenen bayerischen Städten und Gemeinden beim BayStMLU beantragt werden. Gefördert
werden Beratung, die Verzeichniserstellung bestehender Anlagen, vergleichende Messungen
vor und nach einer Baumaßnahme sowie die Prognose durch Berechnungen.
Um zu überprüfen, ob die Mobilfunksendeanlagen an den projektierten Standorten
die Grenzwerte auch an sensiblen Bereichen einhalten, können zwei unterschiedliche
Verfahren zum Einsatz kommen: zum einen die vergleichende Messung der elektromagnetischen
Immission vor und nach der Baumaßnahme und zum anderen die Prognose durch Berechnung
der Funkausbreitung.
Auch wenn die erste Methodik sehr häufig angewandt wird, weist sie eine Reihen von
Nachteilen auf: So sind Messungen insbesondere dann zeit-aufwendig und teuer, wenn unterschiedliche
Funkdienste beispielsweise D-Netz, E-Netz, UMTS, TETRA-Dienste etc. bei der Standortwahl
zu berücksichtigen sind. Außerdem lässt sich der Ist-Zustand durch Messungen
erst dann ermitteln, wenn die Sendeanlage bereits steht, also die Baumaßnahmen bereits
abgeschlossen sind.
Wesentlich schneller und kostengünstiger komme man bei derartigen Fragestellungen
durch Berechnung zum Ergebnis, meinen EMV-Experten der IABG aus Ottobrunn bei München.
Das Unternehmen verfügt selbst über ein eigenes beim Bayerischen Landesamt für
Umweltschutz akkreditiertes Labor zur Messung elektromagnetischer Felder gemäß
DIN VDE 0848 und kennt demnach beide Verfahren aus seiner täglichen Praxis.
So ließen sich vor allem die teuren Investitionen in die Infrastruktur solange zurückstellen,
bis Planungssicherheit hinsichtlich der tatsächlichen EMV-Belastung gegeben sei. Demnach
kann die exakte Ist-Situation berechnet werden, ohne dass Messungen im Gelände vorgenommen
werden müssen, wenn Sendeleistung und Abstrahlrichtung bestehender Anlagen bekannt
sind. Als weiteren Vorteil gegenüber den Messungen im Feld sehen die Experten die Möglichkeit,
potentielle Alternativstandorte für Sendemasten durch rechnerische Simulation schnell
ermitteln zu können. Aus diesen Berechnungen geht dann ganz klar hervor, in welchem
Areal Mobilfunksendeanlagen mit welcher Leistung und bei welcher Frequenz betrieben werden
könnten, damit sich in sensiblen Bereichen die vorgeschlagenen Grenzwerte einhalten
lassen.
Die Ergebnisse der Berechnung werden in einer Karte zusammengefasst, aus der die Einhaltung
von Grenzwerten ersichtlich wird bzw. die maximal zulässige Leistung einer Mobilfunkstation
entnommen werden kann. Diese Karte lässt sich dann wiederum in den Verhandlungen mit
den Mobilfunknetzbetreibern und zur objektiven Entscheidungsfindung innerhalb der Gemeinde
nutzen.
Berechnungsgrundlage ist immer ein individuelles und maßgeschneidertes topologisches
Modell der Gemeinde. Die Daten hierzu, weiß die IABG, sind für Bayern längst
erhoben und können aus speziellen Fachdatenbanken beschafft werden. Solch ein digitales
Geländemodell beschreibt lückenlos die dreidimensionale Morphologie des Geländes
auf wenige Zentimeter genau mit all seinen Erhebungen und Senken. Dort ist beispielsweise
auch die Bodenbeschaffenheit hinterlegt, also etwa ob es sich um einen Wald, eine Wiese,
eine Brachfläche oder um die Oberfläche eines Sees handelt. Mit Hilfe dieser Angaben
ist es dann möglich genau vorherzusagen, wie sich die elektromagnetischen Wellen im
Gelände verhalten, also wie und wo sie gebrochen und reflektiert werden.
14.1.02
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