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Human Factors Engineering

Human Factors Engineering: Produkte entwickeln, die nützlich und sicher sind, vom Anwender akzeptiert werden und im Wettbewerb bestehen.

Human Factors Engineering ist ein kritischer Teil des Produktentwicklungsprozesses. Die Ergebnisse und Erkenntnisse der Human Factors Experten können nicht nur helfen, Produkte zu entwickeln, die nützlich und sicher sind, vom Anwender akzeptiert werden und damit im Wettbewerb bestehen können. In manchen Branchen, z.B. in der Luft- und Raumfahrt oder der Medizintechnik, ist Human Factors Engineering geradezu ein Muss.

Human Factors ist die wissenschaftliche Betrachtung der Interaktion zwischen Menschen und Systemen. Human Factors Engineering wendet die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Produktentwicklung an, und zwar grundsätzlich auf alle Produkte von der Größe eines Knopfes bis zu dem Gebäude, in dem sie gefertigt werden.

Wichtig ist, möglichst früh im Entwicklungsprozess Human Factors Aspekte in das Design des Produkts einfließen zu lassen, idealerweise bereits in der ersten Skizzierungsphase der Produktentwicklung.

Oft hört man den Einwand, es sei sinnvoll oder gar notwendig, mit der Human Factors Analysen erst dann zu beginnen, wenn ein fertiges Produkt vorliegt, welches von den vorgesehenen Benutzern erprobt werden kann. Dies ist aber in der Regel zu spät, da dann am grundsätzlichen Design des Produkts nichts mehr geändert werden kann. Dann können unergonomische, oftmals von den Nutzern nicht akzeptierte Produkte entstehen.

Auch ohne ein vollständig ausgeformtes Produkt gibt es eine Fülle von Human Factors Werkzeugen und Methoden, die es gestatten, frühzeitig Informationen über die Nutzung, die Benutzer und eine optimale Mensch-System Schnittstellte zu erhalten (z.B. Nutzerinterview, Umfrage oder Workshops, Papierübungen, Mockups, Cognitive Workthorough, User-Centered Desgin). Die Idee besteht darin, den Entwurf zu verbessern und nicht, den (technischen) Entwurf zu bestätigen.

Weiterhin ist wichtig, wie die Usability-Spezifikationen entwickelt wurden. Eine Aussage wie "Das Produkt muss einfach zu bedienen sein“ sagt leider gar nichts. Die ISO 9241 gibt hierzu Anleitungen, was kritische, messbare Usability-Faktoren sind, die im Idealfall quantifiziert werden.

Die Erfahrung lehrt, dass Entwickler oft mit subjektiven, nicht überprüften Annahmen und Vermutungen im Bereich der Usability arbeiten. Aber Entwickler eines Produkts sind nicht deren zukünftige Nutzer. Außerdem sind die meisten Entwickler keine Experten für Usability bzw. Mensch-System-Schnittstelle.

Falsche und unvollständige Annahmen über Nutzung und Nutzer werden letztlich zu einem Produkt führen, das sein Zielpublikum nicht bedient - und daher seinen beabsichtigten Zweck auf dem Markt nicht erfüllt.

Erschwert wird die Thematik bei der Entwicklung neuartiger Produkte, da es für diese noch keine Nutzer gibt, die man befragen oder beobachten könnte.

Die Erkenntnisse, Methoden und Werkzeuge der Human Factors Experten können auch hier helfen, zu einem nützlichen, bedienbaren, sicheren und akzeptierten Produkt zu gelangen.
Mehr zu dem Thema der Produktentwicklung und der Einbindung von Human Factors Engineering findet sich in: Schaub H. (2020) Product and System Ergonomics. In: Vajna S. (eds) Integrated Design Engineering. Springer, Cham. link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-030-19357-7_8