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Deutschland testet eLoran als Backup für PNT-Resilienz

Moderne Gesellschaften sind auf stabile Navigations- und Zeitsignale angewiesen – nicht nur für Verkehr oder Logistik, sondern auch für Energieversorgung, Telekommunikation und Finanzsysteme. Doch genau diese GNSS-basierten Systeme (wie GPS oder Galileo) sind stör- und ausfallanfällig. Weltweit wird daher nach robusten Ergänzungen gesucht, die im Ernstfall verlässliche Dienste sicherstellen. Eine solche Alternative heißt eLoran – und Deutschland hat sie gemeinsam mit IABG nun erstmals seit einem Jahrzehnt wieder getestet.

Nach zehn Jahren ohne Loran-C in Deutschland wurde wieder ein eLoran-Signal ausgesendet: Ein mobiler taktischer Sender war in den vergangenen drei Monaten aktiv – im Rahmen eines Forschungs- und Technologievorhabens, das gemeinsam von der IABG und der Bundeswehr durchgeführt wird. Ziel ist die Untersuchung einer hochrobusten, nicht satellitenbasierten Ergänzung für Positionierungs-, Navigations- und Zeitdienste (PNT).

Der mobile eLoran-Sender („tactical mobile Tx“) wurde temporär und zu Testzwecken betrieben. Die IABG verantwortet dabei das technische Konzept, die Durchführung der Messkampagnen sowie die Auswertung. Als Industriepartner ist das US-Unternehmen UrsaNav eingebunden, einer der weltweit führenden Anbieter für Loran- und eLoran-Systeme.

Erste Ergebnisse wurden bereits international wahrgenommen: Auf der ION GNSS+ 2025 in Baltimore wurde die Studie „Test and Evaluation of an eLoran Tactile Mobile System“ präsentiert – ein wichtiger Schritt, der Deutschlands Rolle als europäischer Vorreiter im Bereich resilienter PNT-Architekturen unterstreicht.

Die zweite Projektphase läuft seit Anfang 2025 und wird zum Jahresende abgeschlossen sein. Dann liegen belastbare Daten zur Leistungsfähigkeit der mobilen eLoran-Technologie in taktischen und dynamischen Szenarien vor.

Warum dieses Projekt sicherheitsrelevant ist

Der Schutz kritischer Infrastrukturen hängt heute in hohem Maße von exakten Zeit- und Positionsdaten ab. Energieverteilnetze synchronisieren Lastflüsse, Telekommunikationsnetze takten Datenpakete, Finanzmärkte benötigen sub-Millisekunden-Zeitmarken, und Verkehrssysteme basieren auf präziser Positionierung. Viele dieser Funktionen sind einzeln von GNSS abhängig – ein potenzieller Single Point of Failure. Hier bietet eLoran wichtige Vorteile:

  • Unabhängig von Satelliten
    Das Signal kommt vom Boden, nicht aus dem Weltraum. Damit bleibt es verfügbar, selbst wenn GNSS gestört oder manipuliert wird.
  • Hohe Stör- und Ausfallsicherheit
    Die starke Sendeleistung macht eLoran äußerst robust gegenüber Jamming und Spoofing.
  • Große Reichweiten
    Wenige Sender decken weite Gebiete ab – eine ideale Ergänzung zu bestehenden Systemen.
  • Militärische und zivile Nutzung
    Ein gemeinsamer technischer Unterbau unterstützt sowohl Verteidigungsszenarien als auch kritische zivile Anwendungen.

Für Deutschland und Europa ist die Erforschung solcher Alternativen ein zentraler Baustein, um die technologische Souveränität im PNT-Bereich zu stärken und gleichzeitig die Resilienz kritischer Infrastrukturen zu erhöhen. Die Tests von IABG und Bundeswehr leisten hier einen wesentlichen Beitrag.

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