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Versuchsaubau für den Test an den Spoilern der A380

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Vor dem anstehenden Erstflug der A380 testet die IABG Spoiler des neuen Riesen-Airbus

Ottobrunn. In wenigen Tagen wird das größte Passagierflugzeug der Welt zu seinem Erstflug abheben. Wenn der Airbus A380 anschließend wieder zur Landung ansetzt, spielen insbesondere die Spoiler an den Flügeln eine große Rolle. Denn sie unterstützen die Abbremsung des Flugzeugs nach der Landung wesentlich. Zwei dieser Bauteile testet derzeit die IABG. Die Versuche sind für die spätere Zulassung des Flugzeugs entscheidend.

Auf der Oberseite jeder Tragfläche eines A380 befinden sich 8 Spoiler. Nach der Landung werden sie über hydraulische Zylinder ausgefahren, um die dann erforderliche rasche Reduzierung der Geschwindigkeit zu unterstützen. Denn kurz vor der Landung brächte ein A380 bis zu ca. 380 Tonnen auf die Waage und mit bis zu ca. 280 km/h setzt er zur Landung an. Die ausgefahrenen Spoiler reduzieren einerseits den Auftrieb und sorgen wie bei einem Formel-1-Fahrzeug für eine bessere Bodenhaftung und andererseits erhöhen sie den Luftwiderstand und übernehmen so einen wesentlichen Teil der gesamten erforderlichen Bremswirkung. Zudem können die Spoiler auch im Flug zur Unterstützung der Steuerklappen bei Flugmanövern oder für die schnelle Reduktion der Geschwindigkeit bzw. der Flughöhe gezielt eingesetzt werden.

Seit August letzten Jahres testet die IABG in ihrem Testzentrum in Ottobrunn zwei dieser Elemente. Die Versuche werden im Auftrag des finnischen Spoiler-Herstellers Patria Aerostructures Oy durchgeführt. Für die Tests haben die Ingenieure zwei spezielle Prüfstände aufgebaut. Sie bestehen aus je einem Gerüst, aus neun bzw. sieben hydraulischen Zylindern und aus jeweils vier so genannten Lastgeschirren, mit denen sich die Verteilung der Luftkräfte simulieren lässt. Hinzu kommen zwei Steueranlagen und eine Messanlage. Damit werden die Kräfte der hydraulischen Zylinder und des Lagerungssystems der Spoiler angesteuert sowie Dehnungen, Verformungen und Temperaturen der Prüflinge erfasst.

Noch bis Mitte nächsten Jahres führt die IABG an den Spoilern statische und dynamische Versuche durch (Full-Scale Tests). Bei den statischen Tests geht man zunächst nur bis zu jener Belastungsgrenze, die im Flug erreicht werden könnte (Limit Load). Anschließend wird die Belastung auf das Eineinhalbfache dieser Grenze erhöht (Ultimate Load). Auch diese Belastung müssen die Spoiler halten. Erst danach und wenn alle anderen Test absolviert wurden wird der statische Test bis zum Bruch fortgesetzt.

Bei den dynamischen Tests wird untersucht, ob die Spoiler 19.000 simulierte Flüge ohne Ermüdungserscheinungen überstehen. Dies entspricht der geplanten Lebensdauer des A380. Zu diesem Zweck werden die Bauteile mit allen denkbaren Kräften belastet, die in dieser Zeit auf sie schädigend einwirken können. Um hierbei auf der sicheren Seite zu sein, simuliert die IABG nicht nur die Belastungen eines einzigen Flugzeuglebens, sondern bei einem der Spoiler ein doppeltes und beim anderen Spoiler ein 3,6-faches Flugzeugleben. Außerdem werden die Bauteile durch künstliches Altern und durch künstliche Schäden geschwächt. Die Ermüdungstests werden in regelmäßigen Abständen unterbrochen, um die Prüflinge auf eventuelle Ermüdungsschäden inspizieren zu können.

Obwohl die Tests noch bis Mitte nächsten Jahres laufen, kann der Airbus A380 wie geplant zu seinem Erstflug starten. Denn erste Zwischenergebnisse der Testreihe haben ergeben, dass die Spoiler für die Flugerprobung und somit für den Erstflug verwendet werden können.

Die finnische Firma Patria Aerostructures Oy war von Airbus beauftragt worden, alle 16 Spoiler einer A380 zu entwickeln und herzustellen. Patria Aerostructures Oy beauftragte wiederum die IABG damit, die Spoiler zu testen. Das Technologie-Unternehmen in Ottobrunn überprüft seit Jahrzehnten sowohl einzelne Bauteile von Luft- und Raumfahrzeugen als auch komplette Luftfahrzeuge. So bereitet die IABG Dresden derzeit einen Lebensdauertest vor, bei dem die komplette A380 in einer riesigen Halle bezüglich ihres Ermüdungsverhaltens geprüft wird.

22.04.2005