Die unsichtbare Grundlage moderner Gesellschaften
Kritische Infrastrukturen (KRITIS) bilden das funktionale Rückgrat unseres Alltags. Sie rücken oft erst dann ins öffentliche Bewusstsein, wenn sie nicht mehr funktionieren – etwa bei Ausfällen von Wärmenetzen, Störungen im Mobilfunk oder Einschränkungen in der medizinischen Versorgung. Energie, Verkehr, Kommunikation, Wasser, Gesundheit und Lebensmittelversorgung sind eng miteinander verknüpft. Genau diese Abhängigkeiten machen das System zugleich leistungsfähig und verwundbar.
Der Ausfall einzelner Komponenten kann Kaskadeneffekte auslösen, die mehrere Sektoren gleichzeitig treffen. Sicherheit entsteht deshalb nicht allein durch den Schutz einzelner Anlagen, sondern durch die Fähigkeit von Systemen, Störungen zu verkraften und funktionsfähig zu bleiben. Entscheidend sind dabei drei Fragen: Wie wahrscheinlich ist eine Störung? Wie gravierend wären die Auswirkungen? Und wie schnell kann sich das System stabilisieren und weiterarbeiten?
Von Schutz zu Resilienz
Höhere Mauern und mehr Technik allein reichen nicht aus. Cyberangriffe, Lieferengpässe, Personalmangel oder Systemüberlastungen zeigen, dass klassische Schutzkonzepte an Grenzen stoßen. Im Mittelpunkt steht heute Resilienz: die Fähigkeit, Störungen zu widerstehen, sich zu erholen und aus Krisen zu lernen.
Zugleich nimmt die Zahl hybrider Bedrohungen zu, bei denen digitale, physische und organisatorische Angriffe zusammenwirken. Angriffe auf IT-Systeme können physische Prozesse beeinflussen, und der Missbrauch ziviler Technologien eröffnet neue Angriffsflächen. Konkret am Beispiel Drohnen: Unbefugt eingesetzt, können sie Sicherheitsperimeter überwinden oder Abläufe stören. Gleichzeitig unterstützen sie als Aufklärungs- und Inspektionsmittel die Lageerkundung – insbesondere in Krisensituationen. Sie sind damit Risiko und Schutzinstrument zugleich.
Der Weltraum als Faktor für KRITIS
Viele kritische Prozesse hängen heute von weltraumbasierten Diensten ab. Navigations-, Kommunikations- und Beobachtungssatelliten sind elementar für Verkehr, Energieversorgung, Logistik und Finanzwesen. Störungen, Spoofing oder Ausfälle können Kaskadeneffekte auslösen – bis hin zu lokalen Folgen. Gleichzeitig tragen Erdbeobachtung und satellitengestützte Lagebilder zur Überwachung von Anlagen und zum Krisenmanagement bei. Raumfahrt ist damit zugleich kritische Infrastruktur und ein Instrument zum Schutz terrestrischer Systeme.
Regulierung und Daueraufgabe
Parallel steigen die regulatorischen Anforderungen. Mit der Umsetzung von NIS-2 sind Pflichten zur Cyber- und Informationssicherheit in Deutschland in Kraft getreten. Für den physischen Schutz und die Resilienz kritischer Anlagen wird außerdem ein KRITIS-Dachgesetz im Gesetzgebungsverfahren diskutiert; es zielt auf Risikoanalysen, Maßnahmen und Meldestrukturen ab.
Resilienz bleibt damit eine kontinuierliche Aufgabe: Sie entsteht, wenn technische Robustheit, organisatorische Vorbereitung und strategische Entscheidungen zusammenspielen – und wenn Abhängigkeiten und Schwachstellen offen bewertet werden.
Bitte füllen Sie das Formular aus, wir setzen uns umgehend mit Ihnen in Verbindung.