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Investition in die Zukunft der deutschen Satellitentechnik

- IABG und BMWi unterzeichnen Vertrag über 230 Mio. Euro

- "Kompetenzzentrum Optik" schafft in Europa einzigartige Testanlagen für elektrooptische Systeme

- Erweiterung des bestehenden Raumfahrt-Testzentrums am Standort Ottobrunn

 

Satelliten mit hochauflösenden Kameras, Bildsensoren und Bildwandlern („elektrooptische Systeme“) sind von stark zunehmender Bedeutung. Bisher konnten sie in Deutschland nicht getestet werden. Das ändert sich bald. Ein Kompetenzzentrum Optik (Competence Center Optics, CCO) soll ab 2022 auf dem Gelände der IABG (Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH) in Ottobrunn bei München moderne Testtechnik bereitstellen. Die Finanzierung wurde durch Unterzeichnung eines Bereitstellungsvertrags mit dem Bund am Donnerstag gesichert. Das teilte die IABG am Sonntag mit.

„Für den Forschungs- und Entwicklungsstandort Deutschland ist es wichtig, dass geeignete, unabhängige Testanlagen zu Verfügung stehen“, sagte Prof. Dr. Rudolf F. Schwarz, Vorsitzender der Geschäftsführung der IABG. Der Vertrag für die Bereitstellung der Anlagen ist am Donnerstag unterzeichnet worden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) – vertreten durch das Raumfahrtmanagement im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – stellt für die kommenden zehn Jahre rund 230 Millionen Euro bereit. Damit handelt es sich um den bisher größten Einzelvertrag in der Geschichte der IABG. 

Vielfältiger Nutzen: von der Verteidigungs- bis zur Umweltpolitik
Der Bau des CCO soll 2021 beginnen. 

Elektrooptische Systeme erlauben es, aus dem Weltraum selbst kleinste Details auf der Erde zu erkennen. Sie basieren nicht auf Mustererkennung, sondern auf der computergestützten Umwandlung von Daten. Solche Systeme haben vielfältigen Nutzen u.a. in den Bereichen der Außen- und Sicherheits-, der Verteidigungs- und der Klima- und Umweltpolitik: Mit elektrooptischen Verfahren lassen sich aus dem Weltraum zum Beispiel Waldschäden bewerten oder etwa Feldstrukturen und landwirtschaftliche Aktivität erfassen. Das ist etwa im Kontext des Europäischen „Green Deal“ relevant, der von den Landwirten deutlich mehr Insekten-, Boden- und Klimaschutzmaßnahmen als Gegenleistung für staatliche Zuschüsse verlangt.

Erweiterung am Standort Ottobrunn
Der am Donnerstag nach langer Verhandlung unterzeichnete Bereitstellungsvertrag sieht vor, dass staatliche und industrielle Forschungsvorhaben diskriminierungsfrei Zugang zu den Testanlagen des CCO erhalten. Dafür investiert die IABG in einen Anbau an ihr bestehendes Raumfahrt-Testzentrum (RTZ) in die Anlagentechnik und in hoch qualifiziertes Personal.

In den Testanlagen werden für die Testvorbereitung kontrollierte Umweltbedingungen (Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchte) zur Verfügung gestellt. Für die Tests an den elektrooptischen Systemen können die Einsatzbedingungen (Temperaturbedingungen im Weltraum sowie Vakuum) realitätsnah simuliert werden, so dass unter anderem Beugungs- und Interferenzeffekte, Fertigungsabweichungen und nicht zuletzt die Einflüsse der Einsatzbedingungen auf die optischen Systeme charakterisiert werden können.

„Die Entwicklung und Testung elektrooptischer Systeme fällt nicht vom Himmel“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung Prof. Dr. Rudolf F. Schwarz. „Die Systeme verlangen hochpräzise Kalibrierung und Vermeidung von Schwingungen. Ein Vergleich zur Veranschaulichung der Präzision, die hier erforderlich ist: Bei einer Peilung etwa von München nach Hamburg dürfte maximal eine Abweichung von drei Zentimetern entstehen.“

Europaweit einzigartiger Teststandort
Bisher war in Deutschland keine Testfähigkeit in der relevanten Dimension vorhanden. Diese ist aber von strategischer Bedeutung. „Das CCO wird nach Inbetriebnahme eine in Europa einzigartige Testanlage zur Unterstützung der Entwicklung und Qualifikation innovativer elektrooptischer Systeme und Komponenten sein“, so Prof. Schwarz.

Am Standort entstehen Synergieeffekte: Durch die Anbindung des CCO an das bestehende Raumfahrt-Testzentrum der IABG können vollständige Testkampagnen für Satelliten mit elektrooptischen Instrumenten oder Systemen unabhängig und diskriminierungsfrei an einem Teststandort durchgeführt werden.

Die Investition in das CCO erfolgt durch die IABG. Nach Inbetriebnahme des CCO Ende 2022 wird die Bereitstellung des CCO durch die IABG vom BMWi für zunächst 10 Jahre finanziert. Mit dem Abschluss des Bereitstellungsvertrages sind hervorragende Voraussetzungen für die weitere nachhaltige Geschäftsentwicklung des Geschäftsbereichs Raumfahrt der IABG geschaffen worden.